Kurze Antwort
Das Altersvorsorgedepot ersetzt die Riester-Rente. Einfachere Förderung und niedrigere Kosten. Außerdem keine Pflicht zur Rentenversicherung bei der Auszahlung. Wer noch mehr als zehn Jahre bis zur Rente hat und einen teuren Versicherungsvertrag besitzt, fährt mit dem Wechsel meist besser. Bestehende Verträge laufen weiter.
Was ist das Altersvorsorgedepot 2027?
Die Riester-Rente hat in 20 Jahren nicht gehalten was sie versprochen hat. Die Kosten waren hoch, die Förderbedingungen umständlich. Unter dem Strich blieb bei vielen so wenig übrig, dass ein Großteil aller Riester-Verträge heute beitragsfrei gestellt ist oder kaum noch aktiv bespart wird. Die Bundesregierung hat das Altersvorsorgereformgesetz verabschiedet. Der Bundesrat stimmte am 8. Mai 2026 zu.
Das Ergebnis: das Altersvorsorgedepot 2027 (kurz: AV-Depot). Es startet am 1. Januar 2027 und löst die Riester-Rente für Neuverträge ab. Der Kern der Idee: staatlich gefördertes Sparen in kostengünstigen ETFs, ohne teuren Versicherungsmantel. Keine Rentenversicherungspflicht bei der Auszahlung. Die Reform wurde am 8. Mai 2026 im Bundesrat beschlossen; flankierende Details kommen vom Bundesministerium der Finanzen.
Bestehende Riester-Verträge laufen mit vollem Bestandsschutz weiter. Du musst nichts tun. Aber du kannst entscheiden, ob ein Wechsel ins neue System für dich Sinn ergibt.
Wie funktioniert die Förderung beim Altersvorsorgedepot?
Beim Riester war die Förderlogik umständlich. Mindestens vier Prozent des Bruttogehalts mussten eingezahlt werden, und wenn das Gehalt stieg, musste auch der Beitrag angepasst werden. Viele haben das versäumt und jahrelang weniger Förderung bekommen als möglich.
Das AV-Depot macht das einfacher. Für jeden eingezahlten Euro gibt es einen Zuschlag: 50 Cent auf die ersten 360 Euro im Jahr, 25 Cent auf die nächsten 1.440 Euro. Wer 150 Euro im Monat spart, erhält die maximale Grundzulage von 540 Euro jährlich.
Die Kinderzulage funktioniert als 1:1-Matching: Pro eingezahltem Euro gibt der Staat einen Euro dazu, maximal 300 Euro pro Kind und Jahr. Die volle Zulage gibt es ab 25 Euro im Monat pro Kind.
Kurz erklärt: Was ist ein ETF?
Ein ETF (Exchange Traded Fund) bildet einen Index ab, zum Beispiel den MSCI World mit über 1.600 Titeln weltweit. Wer einen ETF kauft, ist automatisch breit gestreut. Weil kein aktiver Fondsmanager bezahlt werden muss, sind die Kosten gering.
Der MSCI World hat in den letzten 30 Jahren durchschnittlich sieben bis neun Prozent Rendite pro Jahr gebracht. Klassische Riester-Versicherungen lagen weit darunter, weil hohe Kosten die Rendite aufgefressen haben. Das AV-Depot hat eine gesetzliche Kostenobergrenze von einem Prozent, günstige Anbieter werden darunter liegen.
Riester vs. Altersvorsorgedepot: die wichtigsten Unterschiede
- Grundzulage/Jahr 175 €
- Kinderzulage 185–300 €/Kind
- Mindesteigenbeitrag 4 % Bruttogehalt
- Typische Kosten 1,5–2,5 % p.a.
- Auszahlung Nur Rentenversicherung
- Grundzulage/Jahr bis zu 540 €
- Kinderzulage 300 €/Kind (immer)
- Mindesteigenbeitrag 10 €/Monat
- Kostendeckel max. 1 % p.a.
- Auszahlung 30 % sofort + Plan
Beide Produkte werden im Alter mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert. Da dieser bei beiden gleich ist, spielt er für den Vergleich keine Rolle.
Drei Optionen für bestehende Riester-Inhaber
Ab 2027 gibt es drei Wege für bestehende Riester-Inhaber:
- 1
Riester weiterführen
Der Vertrag läuft mit Bestandsschutz weiter, Zulagen bleiben wie bisher. Das macht Sinn, wenn die Rente nah ist oder das Guthaben schon so hoch ist, dass die Wechselkosten den Vorteil auffressen.
- 2
Riester beitragsfrei stellen & AV-Depot eröffnen
Du hörst auf in den Riester einzuzahlen. Das Guthaben bleibt erhalten, du eröffnest zusätzlich ein neues AV-Depot. Sinnvoll, wenn dein Riester-Anbieter kein günstiges AV-Depot anbietet und du flexibel bleiben möchtest.
- 3
Guthaben ins AV-Depot übertragen
Das Guthaben wechselt vollständig, bisherige Zulagen bleiben erhalten. Wechselkosten sind auf 150 € gedeckelt. Nach fünf Jahren beim neuen Anbieter ist der Wechsel kostenlos. Zurück ins alte System geht es nicht.
Wann lohnt sich der Wechsel zum Altersvorsorgedepot?
- ✓
Mehr als zehn Jahre bis zur Rente
Der Kostenvorteil des AV-Depots wirkt über Zeit. Wer noch zehn bis zwei oder drei Jahrzehnte spart, bemerkt den Kostenvorteil am deutlichsten. Ein Prozent weniger Gebühren macht bei 100 € monatlich über 20 Jahre rund 20.000 bis 30.000 € aus.
- ✓
Teurer Riester-Versicherungsvertrag
Bei Jahreskosten über 1,5 % fressen Gebühren die Zulagen langfristig auf. Das AV-Depot ist in diesem Fall fast immer besser.
- ✓
Kinder im Haushalt
300 € Kinderzulage bereits ab 25 € Monatsbeitrag, ohne Einkommensberechnung. Familien mit zwei oder drei Kindern können allein durch die Kinderzulagen einen erheblichen Vorteil gegenüber dem Riester erzielen.
- ✓
Selbstständige
Für alle die bislang keinen Zugang zur Riester-Förderung hatten, ist das AV-Depot eine vollständig neue Möglichkeit. Ab 2027 sind Selbstständige erstmals förderberechtigt.
- ✓
Elternzeit und Teilzeit
25 € im Monat reichen für die volle Kinderzulage von 300 € pro Kind. Wer in Elternzeit ist, bleibt über die Kindererziehungszeiten förderberechtigt.
- —
Weniger als fünf Jahre bis zur Rente
Der Kostenvorteil entfaltet sich über Zeit. Bei weniger als fünf Jahren bis zur Rente überwiegt der Bestandsschutz des laufenden Vertrags.
- —
Wohn-Riester
Wer den Riester für eine Immobilie genutzt hat, sollte den Wechsel nicht ohne Beratung entscheiden. Das Wohnförderkonto macht die Sache komplex.
- ✗
Riester kündigen
Alle Zulagen und Steuervorteile müssen zurückgezahlt werden. Das ist fast immer die schlechteste Option.
Was macht das in echten Zahlen aus?
Sarah, 34 Jahre · 2 Kinder · 40.000 € Brutto · 100 €/Monat
Martin, 54 Jahre · kein Kind · 35.000 € Brutto · 50 €/Monat
Annahmen: 7 % ETF-Rendite p.a., AV-Depot 0,75 % Kosten, Renteneintritt mit 67. Keine Anlageberatung.
Riester kündigen oder lieber wechseln? Was kostet welcher Weg?
Viele Riester-Sparer denken bei der Reform reflexhaft zuerst an Kündigung. Verständlich – die Riester-Rente hat in den letzten Jahren viel Frust verursacht. Aber: Eine Kündigung ist in fast allen Fällen die teuerste Option. Wer kündigt, muss alle bisher erhaltenen Zulagen und Steuervorteile vollständig zurückzahlen. Auf einen Schlag. Bei einem 15 Jahre alten Riester-Vertrag mit 175 € Grundzulage pro Jahr plus 300 € Kinderzulage für zwei Kinder bedeutet das schnell eine Rückforderung von über 11.000 € – plus die Steuervorteile, die ebenfalls zurückgezahlt werden müssen, oft weitere 5.000–10.000 €.
Wechseln ist fast immer günstiger als kündigen. Beim Wechsel ins Altersvorsorgedepot bleiben alle bisherigen Förderungen erhalten. Das aufgelaufene Guthaben wird vollständig übertragen. Wechselkosten sind gesetzlich auf 150 € gedeckelt – nach fünf Jahren beim neuen Anbieter sogar kostenlos. Und du behältst die Förderfähigkeit für die Zukunft.
Wann ist Kündigung trotzdem sinnvoll? Wirklich nur in Ausnahmefällen: Wenn der Vertrag bereits beitragsfrei gestellt ist, das Guthaben minimal ist und die zu erwartenden Rückzahlungen sehr niedrig sind. Oder wenn akute finanzielle Notlage besteht und kurzfristig Liquidität gebraucht wird – auch dann lohnt aber meist eher eine Beitragsfreistellung als eine echte Kündigung.
Die drei realistischen Wege im Überblick:
- Weiterführen: Vertrag läuft unverändert, Bestandsschutz greift, bisherige Förderung bleibt
- Beitragsfrei stellen: Du zahlst nichts mehr ein, der Vertrag ruht, bisherige Förderung bleibt
- Wechseln ins Altersvorsorgedepot: Übertrag aller Guthaben, neue Förderung ab 2027, max. 150 € Wechselkosten
Was für deine konkrete Situation am besten passt, hängt von Vertragsalter, Kosten und Sparbetrag ab. Unser Rechner unten zeigt dir in 60 Sekunden den Unterschied in Euro – für deine Zahlen.

